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 Akteure, Felder, Wege – deutsch-polnische Kommunikation: Miteinander und übereinander

 

Der deutsch-polnische Dialog seit 1989 wird, je nach dem Zustand der aktuellen politischen Beziehungen, als eine polnisch-deutsche Wertegemeinschaft, eine reife Nachbarschaft, als asymmetrische Partnerschaft, Nachbarschaft auf Distanz oder deutsch-polnische Konfliktgemeinschaft definiert. In der Publizistik und in der wissenschaftlichen Forschung werden die Asymmetrie des gegenseitigen Interesses, der starke Einfluss von Stereotypen aus dem 19. Jahrhundert und die verschiedenen Kommunikationsstile übereinander und miteinander hervorgehoben. Viele Probleme, die in den bilateralen Beziehungen auftreten, beziehen sich auf den Bereich der Kommunikation.

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Studien zur gegenseitigen und bilateralen medialen Kommunikation und politischen Diskursen im Nachbarland durchgeführt. Es fehlt jedoch nach wie vor eine Analyse des Kommunikationsprozesses und der Entstehung nationaler Diskurse, die sich als Ergebnis der (Inter-)Aktion vieler Akteure mit unterschiedlichen Instrumenten und Kommunikationsstilen beeinflussen. Daher fragt das  Projekt nicht nur, wie Polen und Deutsche über den jeweils anderen kommunizieren, sondern vor allem, wie sie in verschiedenen Bereichen miteinander kommunizieren, wie dies die gegenseitige Wahrnehmung und wie die Wahrnehmung ihrerseits die Kommunikation beeinflusst. Das Projekt wird auch Antworten auf folgende Fragen liefern: Was bestimmt die deutsch-polnische Kommunikation? Wer initiiert die Themen der deutsch-polnischen Kommunikation, wo und wie geschieht dies? Wie wirkt sich Kommunikation auf die gegenseitige Wahrnehmung beider Gesellschaften aus? Was verursacht die Hauptprobleme der Kommunikation auf der Ebene des Inhaltes und des Stils? Unterscheidet sich die Kommunikation zwischen den genannten Akteuren hinsichtlich ihrer Werkzeuge und im Zeitverlauf? Lassen sich in der Kommunikation Vorstellungen von Antipolonismus und Antigermanismus erkennen? Kann man in der Kommunikation erkennen, inwieweit die beiden Länder eine Rolle in der Innenpolitik des Nachbarlandes spielen? Ist hier eine Asymmetrie zu beobachten?

Das Projekt konzentriert sich auf die Analyse mehrerer ausgewählter Themenbereiche, die in den letzten Jahren für die deutsch-polnische Kommunikation von entscheidender Bedeutung sind: europäische Integration, Wirtschaft und historische Themen. Gleichzeitig werden ausgewählte Perioden aus den letzten 30 Jahren der deutsch-polnischen Zusammenarbeit erforscht, die sich auf Jahre mit wichtigen Ereignissen für Beziehungen und deren verschiedenen Phasen beziehen.

Um die beschriebenen Phänomene zu untersuchen, verwendet das Forschungsteam verschiedene qualitative und quantitative Forschungstechniken. Dazu gehören vertiefte Experteninterviews, Gruppendiskussionen (Fokusgruppen) mit Jugendlichen, eine repräsentative Umfrage (in der Serie Deutsch-Polnisches Barometer), eine Analyse der Inhalte traditioneller und sozialer Medien, eine Analyse der kommunikativen Aspekte politischer oder wissenschaftlicher Konferenzen, sowie eine Analyse der öffentlichen und kulturellen Diplomatie beider Länder. Die vielseitige Kompetenz des Forschungsteams ermöglicht eine Analyse des Problems in Bezug auf zahlreiche Aspekte der deutsch-polnischen Kommunikation.

Die Untersuchung wird je nach Thema und Methode in mehrere Phasen unterteilt. Nach jeder Phase wird eine Publikation auf Polnisch und Deutsch veröffentlicht; die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit, den Medien, Experten und Entscheidungsträgern beider Länder durch Materialien zur Verfügung gestellt, die über soziale Medien verbreitet und bei Treffen deutsch-polnischer Netzwerke und bei Konferenzen umfassend präsentiert werden. Nach jeder Phase wird eine Veranstaltung organisiert, bei der sich Experten, Entscheidungsträger und Journalisten mit den Ergebnissen vertraut machen und diese diskutieren können.

 

Hauptpartner:

Institut für Öffentliche Angelegenheiten, Warschau (ISP)

Deutsches-Polen Institut Darmstadt (DPI)

 

Zusammensetzung des Teams:

Projektleitung

Dr. Agnieszka Łada, Direktorin des Europa-Programms des ISPs

Dr. hab. Peter Oliver Loew, stellvertretender Direktor des DPI

Experten:

Dr. hab. Waldemar Czachur, Prof. der Warschauer Universität

Dr. Indira Dupuis, Freie Universität Berlin

Dr. Jacek Kucharczyk, Vorstandsvorsitzender des ISPs

Prof. Dr. hab. Beata Łaciak, ISP Vorstandsmitglied

Prof. Dr. hab. Beata Ociepka, Universität Wrocław

Paulina Piwowarczyk, Analystin und Projektkoordinatorin des Europa-Programms des ISP

 

Projektzeitraum: Juni 2019 – August 2021

 

Gefördert von: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung

 

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