Kosmos Lem

Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie. Internationale und interdisziplinäre fachwissenschaftliche Konferenz

Darmstadt 2.-4. März 2017

Call for Papers (D) / Call for Papers (PL)

Stanisław Lem (1921-2006), polnischer Schriftsteller und Theoretiker, hat sich in seinem literarischen Schreiben und philosophisch-essayistischen Denken wie kaum ein zweiter Autor des 20. Jahrhunderts mit der Bedeutung sowie Zukunft der technisierten Zivilisation und Wissenschaft auseinandergesetzt. Lems überaus vielfältiges, ideen- und sprachschöpferisch geradezu überquellendes Werk formt einen eigenen gedanklichen Kosmos.

Zu den von Lem behandelten Themen gehören virtuelle Realität und Simulation, Fragen der technischen Synthese von „Leben“, das enge Ineinander von Wissenschaftsentwicklung und Ingenieursverfahren (Stichworte „Technoscience“, „Realexperimente“), neue Formen der künstlichen Intelligenz und des Designs. Diese Problemstellungen sind heute aktueller denn je. Bei Lem finden sie sich entworfen und mit den Mitteln der literarischen Imagination bzw. Modellierung wie auch mit theoretischen Begriffen in furioser Weise reflektiert. Gleichwohl gerieten Lems Beiträge zur kritischen Reflexion der technologischen Gegenwart und Zukunft in der aktuellen Forschung eher in den Hintergrund. Das imposante Ganze erfreut sich zwar internationaler Anerkennung und Lem ist der meist gelesene und meist übersetzte polnische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Dennoch wird er aber vorschnell als bereits bekannter Klassiker abgehakt, gedanklich und in seinen literarischen Mitteln unterschätzt und teils fälschlich in der Schublade bloß populärer Science-Fiction-Literatur eingesperrt.

Die Konferenz macht diese Situation zum Ausgangspunkt einer breit angelegten Neubetrachtung von Lems Auseinandersetzung mit der technisierten Welt wie auch der poetologischen und kulturphilosophischen Diskussionen von heute. Ihr Ziel ist es, die etablierten Einordnungen des Werks kritisch zu beleuchten, neue Realitäten ins Spiel zu bringen und unorthodoxe Lektüren zu erproben. Angestrebt wird eine breit gefächerte, transdisziplinäre Neukontextualisierung von Lems literarischem und essayistischem sowie seinem wissenschafts- und technikphilosophischen Schaffen. Ein besonderes Anliegen ist es, den bisweilen in insularer Isoliertheit und monolithischer Abgeschlossenheit präsentierten Autor und Denker Lem in verschiedenen europäischen Diskurszusammenhängen des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts – sowie auf der anderen Seite heutigen Zukunftsvisionen ‒ zu verorten. Es soll dabei insbesondere der Versuch unternommen werden, Lems Beitrag zur literarischen und philosophischen Auseinandersetzung mit der technischen Zivilisation zu kontextualisieren und in seiner Aktualität herauszuarbeiten.

In ihrer Verbindung von Interdisziplinarität und Internationalität stellt die Konferenz eine innovative Erweiterung der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Werk des polnischen Autors dar. Sie versammelt Beiträge aus Literatur- und Kulturwissenschaft, aus (Technik-)Philosophie, Wissenschaftsgeschichte, Psychologie und weiteren Disziplinen.

 

Organisatoren:

Prof. Dr. Przemysław Czapliński (Institut für polnische Philologie, Universität Posen / Poznań)
Prof. Dr. Alfred Gall (Institut für Slavistik, Universität Mainz)
Prof. Dr. Petra Gehring (Institut für Philosophie, TU Darmstadt)
PD Dr. Peter Oliver Loew (Deutsches Polen-Institut Darmstadt)
Dr. Yvonne Pörzgen (Universität Bremen)