Gwizdalankaklein

Band Nr. 4

Danuta Gwizdalanka: Der Verführer

Karol Szymanowski und seine Musik

Inhalt

„Wir wissen, daß Polen uns zwei große Menschen gab: den elegischen Ekstatiker Chopin und den ekstatischen Elegiker Szymanowsky”, schrieb 1920 der Musikkritiker Hans Heinz Stuckenschmidt und fügte hinzu: „Seine Persönlichkeit ist unter den neuen Musikern die schärfst profilierte.“ Wer war der Schöpfer der ekstatischen Mythen und der rätselhaften Oper König Roger? Warum waren seine Werke für viele Jahrzehnte aus dem deutschen Musikleben verschwunden?

Danuta Gwizdalanka zeigt bei Szymanowski in verschiedenen Rollen und Situationen. Mit der Familie – als liebender Sohn und fürsorglicher Bruder. Unter Freunden – immer in Erwartung von Interesse und Hilfe. Unter den ihn (vergebens) anhimmelnden Frauen – und im dionysischen Gefolge „wunderbarer Jünglinge“.

Diese Porträtgalerie wird ergänzt durch eine Darstellung seiner bedeutendsten Werke sowie eine Beschreibung seines verschlungenen künstlerischen Wegs, auf dem Szymanowski seine Zuhörer vom Wiener Expressionismus über orientalisch inspirierte Sensibilität und in Byzanz wurzelndem Pathos bis hin zu einer Vitalität führte, mit der ihn die Bergbewohner der Tatra angesteckt hatten.

Besonders ausführlich kommen die langjährigen Kontakte Szymanowskis nach Deutschland zur Sprache – vom Debüt mit den Berliner Philharmonikern bis hin zur unfreiwilligen Verwicklung in den „Fall Furtwängler“ dreißig Jahre später. Im Hintergrund der Erzählung über den narzisstischen Komponisten, dem die Natur sowohl riesiges Talent als auch Abneigung zur regelmäßigen Arbeit mitgegeben hatte, erstreckt sich das Panorama Europas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ein Kontinent der Kriege, Revolutionen und Grenzverschiebungen.

 

Danuta Gwizdalanka, geboren 1955 in Posen, Musikwissenschaftlerin. Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen zählen ein vierbändiges Lehrbuch für Musikgeschichte, ein Kammermusikführer, Bücher über gesellschaftliche Aspekte des musikalischen Lebens (so über Musik und Politik, Musik und Geschlecht) sowie Biographien der Komponisten Mieczysław Wajnberg und – gemeinsam mit Krzysztof Meyer – Witold Lutosławski (Wege zur Meisterschaft, Saarbrücken 2014).

Inhaltsverzeichnis

Leben mit der Familie
37 Jahre in Tymoszówka
17 Jahre in Warschau
Mit der Familie auf den Bühnen
Ersatz für eine eigene Familie

Unter Freunden
Musiker
Vertraute und Retter
Musikwissenschaftler: Apologeten und Anreger

In Europa
Berlin
Wien
Der Süden und der Orient
London
Petersburg
Paris
Deutschland

In Polen
Zakopane

Werke und Meisterwerke
 König Roger           
Harnasie
„Der Debussy der Geige“
Die Violinkonzerte
Die Streichquartette
„Das Lied von der Nacht“
Der verführerische Glanz des Orchesters
Stabat Mater
Die Lieder

Der Komponist und Pianist
Stimmungsvolle und emphatische Jugendwerke
Vor der Öffentlichkeit
Die Etüden und die letzte Sonate
Pianist aus Notwendigkeit
Die Symphonie Concertante

Die Musik
Der verschlungene schöpferische Weg
Der „modernistische“ Anfang
Die erste Wendung: Nach Süden und in den Orient
Die zweite Wendung: Nach Lechistan
Eine eigene Stimme
Resonanz
Das Leben nach dem Leben

Der Künstler
Der Komponist bei der Arbeit
Der Künstler als Komponist
Der Mensch der Feder
Der Nationalkünstler

Die magnetische Persönlichkeit
Die Religion der Liebe
Frauen
Idol der Jugend

Die neurotische Persönlichkeit des Künstlers
Der Narziss und die Mimose
The Rake’s Progress
Der Patient

Chronik von Leben und Werk

Bildnachweis

Personenregister